Lockdown 2020 - Hannes Hofbauer

Hofbauer, Hannes / Kraft, Stefan (Hg.): Lockdown 2020. Wie ein Virus dazu benutzt wird, die Gesellschaft zu verändern.
Promedia 2020

Mit Texten von Ulrike Baureithel, Matthias Burchardt, Chuang-Blog, Rolf Gössner, Bernhard Heinzlmaier, Joachim Hirsch, Hannes Hofbauer, Andrej Hunko, Andrea Komlosy, Stefan Kraft, Jochen Krautz, Armando Mattioli, Alfred J. Noll, Peter Nowak, Walter van Rossum, Roland Rottenfußer, Gerhard Ruiss, Nicole Selmer, Andreas Sönnichsen und Valentin Widmann.

Ausgangssperren, Schul- und Geschäftsschließungen, Aufhebung der Versammlungs- und Bewegungsfreiheit, dicht gemachte Grenzen und der damit verbundene staatliche Zwang veränderten innerhalb weniger Wochen die Welt. Das Jahr 2020 bringt die heftigsten gesellschaftlichen Einschnitte seit dem Zweiten Weltkrieg. Argumentierten die meisten Regierungen ihre in Windeseile verfügten Maßnahmen mit der Seuchenbekämpfung, so traf das Corona-Virus vor allem Länder, deren Gesundheitssysteme durch den Neoliberalismus ausgehöhlt waren.

Eine tiefe Rezession, massenhafte Arbeitslosigkeit und schwere soziale Verwerfungen sind die Folgen des Lockdown 2020. Als noch gravierender entpuppen sich die politischen Handlungen: Ohne offene Debatte setzte man Notverordnungen durch, wurden Grundrechte beiseite geschoben, geriet der Ausnahmezustand zur neuen Normalität. Gründe genug für die zwei Wiener Verleger Hannes Hofbauer und Stefan Kraft, kritische Stimmen in einem Buch zu versammeln, das sich mit den Hintergründen und Folgen der Virus-Maßnahmen auseinandersetzt.

Dabei wird u.a. der Frage nachgegangen, ob die scharfen Einschnitte im öffentlichen Leben medizinisch gerechtfertigt waren. Zur Sprache kommt auch die Verknüpfung von Stress, Umweltverschmutzung und Massentierhaltung, die eine Verbreitung von Viren begünstigt.

Globale Güterketten und die viel beschworene Mobilität der Besserverdienenden erscheinen durch die weltweite Verbreitung des Virus in einem neuen Licht. Gleichzeitig gewinnt das chinesische Modell des staatlich gelenkten Kapitalismus mit seinen Überwachungsmethoden und Kontrollmechanismen an Attraktivität. Abschließend geht das Buch auf die Umgestaltung sozialer Beziehungen und Arbeitsverhältnisse, auf neue Ungleichheiten in Bildung und Geschlechterverhältnissen und die vermehrte Anwendung von „Künstlicher Intelligenz“ ein, Faktoren, die ein kybernetisches Zeitalter ankündigen.


Chronik einer angekündigten Krise - Paul Schreyer

Die Chronologie der sog. "Corona-Krise" (Ein spannender Beitrag zum aktuellen Diskurs, Neuerscheinung im Sept. 2020)

Ob in Politik, Wirtschaft oder Privatleben: Das Coronavirus gibt den Takt vor. Tausende Unternehmen steuern auf den Konkurs zu, kaum für möglich gehaltene Einschränkungen der Bürgerrechte werden ohne Diskussionen beschlossen – auf unbestimmte Zeit. Viele Menschen verharren in Angst und Passivität. Regierungen unterwerfen sich Empfehlungen von Experten, eine Opposition ist kaum zu sehen und die Medien hinterfragen wenig. Was geschieht hier eigentlich? Die vordergründig chaotisch erscheinenden Reaktionen auf den Virus, werden von Paul Schreyer in einen erhellenden globalen Kontext gestellt. Deutlich wird: Einige der aktuellen Entwicklungen scheinen nicht zufällig.
Paul Schreyer ist Mitherausgeber des Magazins Multipolar, freier Journalist und Autor mehrerer politischer Sachbücher. Im Westend Verlag erschienen zuletzt "Wer regiert das Geld?" (2016) und "Die Angst der Eliten" (2018).  Ein Auszug seines Buches findet sich auf seinem Online Magazin Multipolar.


Gekaufte Wissenschaft - Prof. Christian Kreiß

Prof. Christian Kreiß, Gekaufte Forschung, Wissenschaft im Dienst der Konzerne, Beispiel TU München? Video eines Vortrags am 18.12.2019

 

Sein Buch steht auf seiner WEB-Seite zum Download als pdf bereit.


Das chinesische Jahrhundert. Die neue Nummer eins ist anders!

Gerade in der aktuellen Krise wird wieder deutlich: Unser Bild von China ist verzerrt und unterbelichtet. Wolfram Elsner, geb. 1950, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Bremen und war Leiter am Bremer Landesinstitut für Wirtschaftsforschung. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher internationaler Publikationen und Lehrbücher und Managing Editor, Forum for Social Economics 2012-2019. Internationale Lehraufenthalte führten ihn als Adjunct Professor an die Univ. of Missouri, Kansas City und seit 2015 als Gastprofessor an die School of Economics, Jilin Univ., Changchun, China. Er plädiert für einen offenen Dialog sowie verlässliche, langfristige und selbstbewusste Kooperation mit der neuen Nummer eins.
Sein Buch Das chinesische Jahrhundert erschien am 6. April 2020, lesen Sie zum Erscheinen den aktuellen Kommentar des Autors.

Wie mit dem Arbeitszeitgesetz (nicht erst seit Corona) „umgegangen“ wird

Verteidigt den 8-Stunden-Tag ! Verkürzt die Arbeitszeit !
 
In diesem Buch „Umgang mit dem Arbeitsrecht“ wird das Arbeitsrecht nicht nur aus juristischer Sicht geschildert , wie dies leider inzwischen auch die Bücher aus dem Bund-Verlag oder dem VSA-Verlag und erst recht aus dem Beck-Verlag machen (die auf jede kritische Sicht verzichten), sondern vor allem den historischen Kontext deutlich zu machen, i n dem und f ü r den gesetzliche Regelungen geschaffen wurden.

 

Dieser ständige Blick in die Geschichte bewahrt und bewahrte uns vor falschen „endgültigen“, unabänderlichen, in Stein gemeißelten Schlüssen in Bezug auf das Recht, das bekanntlich von den jeweiligen politischen Kräfteverhältnissen abhängt und in ihnen wirkt.

In Bezug auf die letzten 30-40 Jahre Arbeitsrechtsentwicklung bedeutet dies, dass das „bundesdeutsche Arbeitsrecht“ dieser Zeit - bis auf wenige Ausnahmen - gekennzeichnet ist durch seine permanente und weiter sich vertiefende Individualisierung von Rechten, die Entkollektivierung, den Rückzug staatlicher Kontrolle und den Missbrauch von Tarifverträgen und Betriebsräten für die Reduzierung von Arbeitnehmerrechten, wie der Autor auch in zahlreichen Vorträgen vor Corona zu dem Thema darzustellen versucht hat.

Das Arbeitszeitgesetz von Helmut Kohl aus dem Jahre 1994 war seinerzeit der Einstieg in die Verlängerung der Arbeitszeit und in die Arbeitszeitflexibilisierung. Die Existenz von "Arbeitszeitkonten" und eine befristete 60-Stunden-Woche wurde ermöglicht. Der obligatorische Zuschlag für Mehrarbeit über 10 Stunden täglich wurde einfach abgeschafft. Die Arbeitszeitflexibilisierung wurde leider von Teilen der "Linken" und Gewerkschaften (auch schon vor Corona) als sog. "Arbeitszeitsouveränität" begrüßt und gefordert.

 

Auf diese Kohl'schen Regelungen griff die Bundesregierung im gerade ausgerufenen Corona- Notstand zurück, um den ohnehin überlasteten Beschäftigten in den Krankenhäusern ("zum Dank"?) höhere Arbeitszeiten zu verordnen. Alles Änderungen, die w e i t hinter das Arbeitszeitrecht vor 1994 zurückfielen. Wer will, kann das im Einzelnen im Kapitel "Arbeitszeit" in unserem Buch "Umgang mit dem Arbeitsrecht" auf den Seiten 129-150 nachlesen. Die SPD trat damals übrigens richtigerweise für die GESETZLICHE 40 STUNDEN WOCHE ein.

Notwendig ist also nicht die "Verteidigung des GESETZES" (aktuelle Äußerungen auch der LINKEN im Bundestag) , sondern die Verteidigung des 8-Stunden-Tages und die Ablehnung der sog.  "Flexibilisierung". Diese sog. "Arbeitszeitsouveränität", die Abweichung von berechenbaren Arbeitszeitstandards erwiesen sich immer wieder als gesundheitsschädlich. Das haben viele Studien bestätigt.

Es geht nicht um die Verteidigung eines abstrakten Gesetzes, das zudem die jetzigen Verschlechterungen vor dem Hintergrund der Corona-Krise erst ermöglicht hat und w e i t e r zusätzliche Verschlechterungen durch Flexibilisierung ermöglichen wird, sondern um die Verteidigung bestehender Grenzen der Arbeitszeit durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträge.

 

Das Buch kann hier bestellt werden  ratundtat (at) drgeffken.de    https://www.drgeffken.de


Rainer Mausfeld - Warum schweigen die Lämmer?

Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören.

Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2018,

320 Seiten

Woher rührt die Angst, aufzustehen und aufzubegehren? Erklärungen hierfür liefert Rainer Mausfeld, Professor an der Universität Kiel, wo er bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung innehatte, in seinen Bestsellern „Warum schweigen die Lämmer?“ (2018) und „Angst und Macht“ (2019).

Die psychische Zerstörung, die der Neoliberalismus hinterlassen hat, ist gigantisch, so Mausfeld. „Kapitalismus ist wesensmäßig mit der Erzeugung von Angst verbunden. Die kapitalistische Eigentumsordnung verpflichtet alle, die über kein eigenes Kapital verfügen, für fremdes Eigentum zu arbeiten, und überführt damit Arbeit in Lohnarbeit“, heißt es in „Angst und Macht“. Arbeit im Kapitalismus sei grundsätzlich ohne Angst undenkbar. „Damit stellt der Kapitalismus bereits strukturell den Rohstoff ‚Angst‘ bereit, der sich – direkt wie auch über seine Folgen – für Machtzwecke manipulativ ausbeuten lässt.“

 

Rainer Mausfeld - Angst und Macht

Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien

Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2019, 128 Seiten, 14,00 Euro

 

Interviews mit Rainer Mausfeld im Internet:

https://weltnetz.tv/personen/rainer-mausfeld

 

Mausfeld nennt drei Herrschaftstechniken der Angsterzeugung, die verhindern helfen sollen, dass die Kluft zwischen demokratischer Rhetorik und kapitalistischer Realität in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit kommt. Da ist zum einen die Angsterzeugung durch die „Entformalisierung des Rechts“. Hierzu gehört beispielsweise, dass gesetzliche Vorgaben durch die Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe wie „Befürwortung von Gewalt“, „öffentliche Sicherheit“ oder „Gefährder“ entformalisiert werden, sodass die rechtliche Entscheidung eines Sachverhalts nicht durch ein Gesetz bestimmt wird, sondern durch die Staatsapparate, die im konkreten Anwendungsfall die Gesetze nach eigenem Ermessen interpretieren und anwenden können.


Gemeinwohlorientiert und innovativ? Die Förderung politischer Jugendbildung durch unternehmensnahe Stiftungen

Anja Hirsch hat 2019 eine bemerkenswerte Studie über Stiftungen erstellt mit dem Titel: Gemeinwohlorientiert und innovativ? Die Förderung politischer Jugendbildung durch unternehmensnahe Stiftungen. Im Volltext zum kostenlosen Download verfügbar: https://www.transcript-verlag.de/media/pdf/a7/25/94/oa9783839449844yo4xlqS6iyiH9.pdf

Ein Auszug (Seite 124): "Unternehmensnahe Stiftungen -
Zu den identifizierten Unternehmensstiftungen – mithin also Stiftungen, die von Unternehmen gegründet und finanziell ausgestattet werden – gehören:
BMW Stiftung Herbert Quandt; DFL Stiftung (bis 2017: Bundesliga Stiftung) 45; Deutsche Bahn Stiftung; innogy Stiftung (bis 2016: RWE Stiftung); TUI Stiftung; Vodafone Stiftung

Zu den identifizierten unternehmensverbundenen Stiftungen – mithin also Stiftungen, die Anteile an Unternehmen halten – gehören: Bertelsmann Stiftung; Freudenberg Stiftung; Körber Stiftung; Robert Bosch Stiftung (RBS)

Was bedeutet diese Aufzählung für die politische Bildung? Ist bei diesen Stiftungen davon auszugehen, dass ihre gemeinnützigen Stiftungsaktivitäten – also auch die in der politischen Bildung – zumindest teilweise an Unternehmensinteressen ausgerichtet werden? Empirische Forschung, die dieser Frage systematisch und vergleichend nachgeht, existiert bislang nicht. Jedoch wird im öffentlich‐medialen Diskurs und auf Basis journalistischer Recherchen genau diese Frage diskutiert: am Beispiel der Förderung der Digitalisierung im Bildungsbereich durch die Unternehmensstiftung Deutsche Telekom Stiftung und die unternehmensverbundene Bertelsmann Stiftung. Sowohl für die Deutsche Telekom als auch für den Bertelsmann-Konzern ist das Thema Digitalisierung geschäftspolitisch relevant (vgl. Füller 2015)."


Care Revolution - Schritte in eine solidarische Gesellschaft

Viele Menschen geraten beim Versuch, gut für sich und andere zu sorgen, an die Grenzen ihrer Kräfte. Was als individuelles Versagen gegenüber den alltäglichen Anforderungen erscheint, ist jedoch Folge einer neoliberalen Krisenbearbeitung. Notwendig ist daher ein grundlegender Perspektivenwechsel – nicht weniger als eine Care Revolution.

Gabriele Winker entwickelt Schritte in eine solidarische Gesellschaft, die nicht mehr Profitmaximierung, sondern menschliche Bedürfnisse und insbesondere die Sorge umeinander ins Zentrum stellt. Ziel ist eine Welt, in der sich Menschen nicht mehr als Konkurrent_innen gegenüberstehen, sondern ihr je individuelles Leben gemeinschaftlich gestalten.

Gabriele Winker, Prof.in an der TU Hamburg-Harburg


"Caliban und die Hexe" von Silvia Federici

Hexenverbrennung und die ursprüngliche Akkumulation

„Es steht jedenfalls außer Zweifel, dass Frauen im Zuge des ¸Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus' einen einzigartigen Prozess der Degradierung erlitten, der für die Akkumulation des Kapitals von grundlegender Bedeutung war und bis heute geblieben ist.“ (S. 91)

Was Federici daraufhin beschreibt, ist eine massive Disziplinierung mit dem Ziel, die „Gebärmutter“ zu kontrollieren, um die Zeugung „unmittelbar in den Dienst der kapitalistischen Akkumulation“ zu stellen (S. 109). Diese Kontrolle ging mit einer rigorosen Kriminalisierung der Verhütung und einer fast vollständigen „Domestizierung“ der Frau einher. Damit korrespondierte am Ende des 17. Jahrhunderts zudem ein „neues Modell der Weiblichkeit [...] die ideale Frau und Gattin – passiv, fügsam, sparsam, wortkarg, stets beschäftigt und keusch“ (S. 127).                                                                                                                                        Zitiert aus dieser Rezension.


Neues Buch von Christoph Butterwegge: ARMUT

»Armut« ist ein brisanter, weil politisch-normativer, emotional besetzter und moralisch aufgeladener Begriff. Christoph Butterwegge diskutiert den Armutsbegriff, wirft einen Blick auf die Geschichte der Armut und vermittelt die theoretischen Grundlagen.

 

Er stellt die Hauptrichtungen der Armutsforschung vor, erläutert die gängigen Methoden der Armutsmessung und hinterfragt die statistische Datenlage, wie sie die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung dokumentieren.

Bedingungsloses Grundeinkommen?

Armutsforscher Christoph Butterwegge warnt davor. Es werde den Kündigungsschutz aushebeln und den Sozialstaat zerschlagen, sagt er dem 3sat-Wirtschaftsmagazin makro.

Zitat aus dem Interview: "...nicht zufällig gehören namhafte Unternehmer und Spitzenmanager großer Konzerne wie der Telekom und der Post zu den Verfechtern eines bedingungslosen Grundeinkommens. Denkt man die Grundeinkommenslogik zu Ende, könnten schließlich alle übrigen Sozialleistungen abgeschafft und alle sozialpolitisch motivierten Regulierungen des Arbeitsmarktes gestrichen werden.
Es gäbe womöglich keinen Schutz vor Kündigungen mehr, sondern bloß noch betriebliche Abfindungsregeln. Flächentarifverträge erscheinen vor diesem Hintergrund genauso entbehrlich wie Mindestlöhne. Auch müssten die Unternehmer nicht mehr viel 'oben drauf' legen, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Denn die Menschen arbeiten ja nicht bloß des Geldes wegen, da haben die Grundeinkommensbefürworter durchaus recht, sondern auch, um einen Lebenssinn zu finden, sich nützlich zu machen und etwas für die Gesellschaft zu tun. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre gewissermaßen ein Kombilohn für alle Bürger, so wie Hartz IV ein Kombilohn für 1,2 Millionen Aufstockerinnen und Aufstocker ist."


Die europäische Union -  von Andreas Wehr

Andreas Wehr beschreibt die Europäische Union als ein fragiles Bündnis. In ihm dominiert das Machtstreben der großen Mitgliedstaaten. Unter ihnen gibt ein erstarktes Deutschland den Ton an. Unter seiner Führung entwickelt sich ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa, umgeben von einer schwachen Peripherie. Der Band teilt die Geschichte der EU in drei Abschnitte: Die ersten Jahre waren geprägt von einem nur langsamen Voranschreiten der Integration, unterbrochen von langen Phasen der Stagnation. Mit dem Vertrag von Maastricht 1992 nahm die Integration an Fahrt auf. Im Zuge des globalen Neoliberalismus wurde die EU zum wichtigsten europäischen Akteur bei der Durchsetzung von Marktöffnungen, Privatisierungen und Deregulierungen. Dies gipfelte in der Forderung, sie zum »wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum in der Welt« zu entwickeln. Das wurde bisher verfehlt. So ist denn die dritte Phase eine solche der Rückschläge. Zu ihr gehört auch die gegenwärtige Eurokrise, deren Ende ungewiss ist.

Andreas Wehr, *1954. Jurist, wissenschaftlicher Mitarbeiter der »Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linke« im Europäischen Parlament.


Ulrich Schneider: Kein Wohlstand für alle !? Wie sich Deutschland selber zerlegt und was wir dagegen tun können - erschienen Februar 2017

"Liest man das Buch, dann merkt man sehr schnell, dass es Schneider nicht nur um die gut 15 Prozent der Bevölkerung geht, die in Deutschland als arm gelten, sondern auch um jene rund 40 Prozent der Bevölkerung, die von der „Hand in den Mund“ leben, weil sie keine Ersparnisse bilden können, um die Leiharbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen oder all jene mit brüchiger Erwerbsbiographie, die später einmal von Altersarmut bedroht sind. Schneider sieht das Land aber nicht nur sozial, sondern auch regional gespalten. „Es gibt mittlerweile Regionen wie Bremerhaven oder Gelsenkirchen mit Hartz-IV-Quoten unter den Kindern von über 40 Prozent – eigentlich unvorstellbar“, schreibt er.

Die zunehmende soziale Ungleichheit ist freilich kein Zufall, sondern „ins Werk gesetzt von Lobbyisten“. Diese hätten den „sukzessiven Rückzug des Staates aus seiner sozialstaatlichen Verantwortung“ vorangetrieben. Den Startpunkt dieser Entwicklung sieht Schneider Anfang der 80er Jahre in der Angebotspolitik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, die 1998 von SPD und Grünen nicht nur nahtlos fortgesetzt, sondern sogar noch forciert werden sollte. „Die Antwort der rot-grünen Bundesregierung fiel nach mittlerweile bekanntem angebotspolitischem Muster aus – nur viel brachialer als unter Helmut Kohl“, schreibt Schneider. Er zählt auf: die Senkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42 Prozent, die Senkung der Körperschaftsteuer, die Steuerbefreiung beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen, die Demontage der gesetzlichen Rente, die Agenda 2010." (Quelle)


"Freizeit ohne Kontrolle" - die Jugendzentrumsbewegung der 1970er  Jahre von  David Templin

"David Templin hat in seinem Buch „Freizeit ohne Kontrolle“ die Geschichte dieser [der Jugendzentrums-] Bewegung aufgearbeitet. „Tausende junger Aktivistinnen und Aktivisten sind damals auf die Straße gegangen und haben sich für einen Ausbau der offenen Jugendarbeit engagiert“, sagt der 33-jährige Hamburger. Zwischen 1972 und 1976 seien viele selbstverwaltete Zentren gegründet worden. Häufig sei das Experiment allerdings gescheitert. „Viele Jugendliche kamen in die Einrichtungen, um sich einfach nur mit Gleichaltrigen zu treffen und Musik zu hören. Die Initiatoren waren überfordert und sahen sich konfrontiert mit Angriffen aus Politik und Medien.“ ... Von der Vahr über das Viertel und die Neustadt bis nach Seehausen gründeten sich in den 70er-Jahren Initiativen und oft auch selbstverwaltete Jugendclubs. In mehreren Stadtteilen kam es zu Hausbesetzungen, beispielsweise im Juni 1971 im Fedelhören und 1973 Auf den Häfen 30/32 – der heutigen Geschäftsstelle der AWO." (Weserkurier 10.11.2016) Mehr Infos dazu auch im Bremer Archiv der sozialen Bewegungen auf www.archivbremen.de


Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung ... was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können. Ein neues Buch von Ulrike Herrmann

"Die Neoklassik dominiert heute alle Lehrstühle. Leider tut dieser Ansatz so, als würden wir in einer fiktiven Tauschwirtschaft wie im Mittelalter leben. Das ist kein Witz. Konzerne, Maschinen, Investitionen oder Kredite spielen in dieser Theorie keine zentrale Rolle. Selbst Gewinne und Geld fehlen." ... "Die letzte Finanzkrise hat weltweit Billionen gekostet. Dieser Crash wurde nur möglich, weil Krisen in der Neoklassik nicht vorkommen. Daher muss man zu Smith, Marx und Keynes zurückkehren, wenn man verstehen will, wie der real existierende Kapitalismus funktioniert." (Rezension des neuen Buches von Ulrike Herrmann)


Unterwerfung als Freiheit - Leben im Neoliberalismus - Patrick Schreiner

Weit über Politik und Wirtschaft hinaus hat sich der Neoliberalismus längst im Alltagsleben der Menschen verankert. Patrick Schreiner befasst sich mit seinen unscheinbaren, vermeintlich unpolitischen Erscheinungsformen. Er fragt nach den alltäglichen Mechanismen, durch die Menschen neoliberale Ansätze und Ideen als gut, angemessen und alternativlos akzeptieren. Dazu nimmt er das Bildungswesen, Ratgeberliteratur und Management-Trainings, Esoterik, Sport und Fitness, Stars, Fernsehformate wie Reality-TV und Seifenopern, Soziale Netzwerke im Internet sowie Konsum und Lifestyle in den Blick. An diesen Beispielen zeigt er, wie und weshalb der Neoliberalismus das ganze Sein und Denken der Individuen vereinnahmt. Und nicht zuletzt legt er dar, welche Folgen all das für den Einzelnen wie für die Gesellschaft hat. Dabei wird deutlich: Neoliberalismus ist mehr als Marktradikalismus und Dominanz von Kapitalinteressen. Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet.                                   Link zum Verlag

 

»Patrick Schreiner … zeigt, wie weit die neoliberale Ideologie mittlerweile in Alltag und Gesellschaft vorgedrungen ist. … Wer sich kritisch mit dem Neoliberalismus auseinandersetzen will, kommt an diesem Buch, das ausgesprochen gut und leicht lesbar ist, nicht vorbei. Es ist die beste Grundlage, um die nach wie vor ungebrochene Hegemonie des Neoliberalismus zu versehen.«
(Kai Eicker-Wolf, in: Erziehung und Wissenschaft, GEW) 
 

Patrick Schreiner, * 1978, Politikwissenschaftler, hauptamtlicher Gewerkschafter und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Finanz- und Wirtschaftspolitik, Verteilung und politische Theorie.


Der Anbruch des Neoliberalismus. Westdeutschlands wirtschaftspolitischer Wandel in den 1970er-Jahren

Müller, Sebastian (2016), Promedia

 

Auszug (Quelle): "Sebastian Müller schildert die Geschichte einer Konterrevolution, die für den Großteil der deutschen Bundesbürger unbemerkt vonstatten ging: Es ist die Rede vom Aufstieg des Neoliberalismus im Westdeutschland der 1970er-Jahre. Dieser ökonomische Umbruch, vom Liberalen Ralf Dahrendorf 1983 als „Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts“ beschrieben, blieb den meisten Zeitgenossen verborgen. Erst ab den 2000er-Jahren wurden die Konsequenzen unmittelbar deutlich und wirken bis heute nach.

Die Wurzeln des kontroversen und mystifizierten Kampfbegriffes „Neoliberalismus“ reichen weit in die 1940er-Jahre zurück. Aus Sicht seiner geistigen Väter war die Welt seit dem „New Deal“ Roosevelts aus den Fugen geraten. In der Nachkriegszeit hatten sich keynesianistische Wohlfahrtstaaten etabliert, ein Teil der Welt war realsozialistisch geprägt und in Westeuropa erstarkte nicht nur die Sozialdemokratie, sondern im Zuge der 1968er-Bewegungen auch der Neomarxismus.

Mit der ersten Ölpreiskrise 1973 sollte sich das Blatt wenden. Eine nach wirtschaftstheoretischer und gesellschaftspolitischer Vorherrschaft strebende Ideologie erhielt ihr realpolitisches Antlitz, international geprägt durch die radikalen „Reformen“ der Ära Reagan–Thatcher."


Die Hartz IV Diktatur, Inge Hannemann

 

Hätte mir jemand noch vor wenigen Jahren gesagt, dass ich einmal für viele Menschen zum Hoffnungsträger werden sollte, dann hätte ich ihn ohne zu zögern für verrückt erklärt. Schließlich bin ich weder Jeanne d’Arc noch ein weiblicher Robin Hood, sondern einfach Inge Hannemann. Ich bin nicht besonders groß und bringe gerade mal 50 Kilogramm auf die Waage, habe seit meinen Kindertagen Rheuma, als Folge davon eine kaputte Schulter und eine versteifte Wirbelsäule, um nur einige meiner gesundheitlichen Einschränkungen zu nennen. Und dennoch habe ich einen Kampf angenommen, den ich zwar nicht suchte, den ich aber durchaus bereit bin auszufechten.                                                                              Rowohlt Verlag 2015


Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung.

Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik steht vor riesigen Herausforderungen. Militärisches Denken erobert Schulen, Forschungseinrichtungen und Redaktionen. Die kriegerische Mobilmachung Europas beginnt innerhalb der Mitgliedsstaaten, wenn jugendliche Massen arbeitslos sind, und nach Außen hin bei der Abschottung gegen Flüchtlinge. Sie stützt sich geopolitisch auf das transatlantische "Bündnis" mit den USA, auf neue Waffen- und Überwachungssysteme, auf Destabilisierung, Sanktionen und den so genannten Freihandel. Waffen und Kriegsmaterial werden bedenkenlos in Krisengebiete exportiert. Deutsches Militär, wieder auf fremdem Boden, stellt sich angeblich der "Verantwortung" für Menschenrechte.


Die Friedensbewegung stellt sich dieser Entwicklung in den Weg durch Berufung auf das Völkerrecht; durch das Erkennen des Zusammenhangs von Katastrophen, Kriegen und Kapital; durch Kritik, Protest und praktischen Widerstand.

 

380 Seiten, ISBN: 978-3-933264-77-0 Sonnenberg Verlag, 2015

Rudolph Bauer: Friedenspolitische Reihe. Band 01, Sammelband zur Antikriegskonferenz in Berlin, mit Beiträgen von: Prof. Dr. Rudolph Bauer (Bremen), Volker Eick (Berlin), Julian Firges (Kassel), Dr. Rolf Gössner (Bremen), Prof. Dr. Franz Hamburger (Mainz), Prof. Dr. Peter Herrmann (Rom), Claudia Holzner (Kassel), Prof. Dr. Sönke Hundt (Bremen), RA Otto Jäckel (Berlin), MdB Ulla Jelpke (Berlin), Dr. Matthias Jochheim (Frankfurt/Main), Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski (Bremen), Dr. Günter Rexilius (Mönch.gladbach), Helmuth Riewe (Ganderkesee), Michael Schulze von Glaßer (Kassel), Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Bremen) .


Tagebuch einer Fürsorgerin (1925) - Nachdruck 1983


Der Ricklinger Fürsorgeprozess 1930 - Öffentliche Auseinandersetzung um Gewalt in kirchlichen Fürsorgeheimen in der Weimarer Zeit

"Die Fürsorgeerziehung von 'auffälligen' Kindern und Jugendlichen ... befand sich seit den 1920er-Jahren in der Krise. Das 1928 publizierte Buch 'Jungen in Not' von Peter Martin Lampel skandalisierte sie: Der Autor hatte als Hospitant in der Erziehungsanstalt 'Struves Hof' bei Berlin Erlebnisberichte von Fürsorgezöglingen gesammelt und veröffentlicht. Auf diesem Buch beruhte das ab 1929 kontrovers diskutierte Theaterstück 'Revolte im Erziehungshaus'. Die Fürsorgeerziehung wurde zum Gegenstand mehrerer Prozesse, die eine große mediale Aufmerksamkeit fanden: 1930 standen das Landerziehungsheim der Stadt Berlin in Scheuen (heute: Celle) und die Erziehungsanstalt Rickling (zwischen Neumünster und Oldesloe) sowie 1932 die Erziehungsanstalt Waldhof-Templin (Brandenburg) im Mittelpunkt. Der nun von Sarah Banach rekonstruierte Ricklinger Fürsorgeprozess richtete sich – wie im Fall Waldhof-Templin – gegen Erzieher eines Heimes der Inneren Mission (heute Diakonisches Werk). Mit ihrer Studie liegt erstmals eine wissenschaftlich fundierte Darstellung zu einem der großen Fürsorgeprozesse der Weimarer Republik vor."

(Auszug aus: Kurt Schilde: Rezension zu: : Der Ricklinger Fürsorgeprozess 1930. Evangelische Heimerziehung auf dem Prüfstand. Opladen & Farmington Hills  2007 , in: H-Soz-Kult, 08.07.2008 <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-11489>.           Budrich Verlag 2007